Erfahrungsbericht und
Bastelanleitung:
UKW-Übertragungssystem von dnt für 34,95 €
dnt-Werksfoto
MusicFly - per Funk vom MP3-Player zum Autoradio
Von Klaus Fuchs im Mai 2006
Seit kurzer Zeit ist es nun auch in Deutschland erlaubt, kleine Funkübertrager für das UKW-Band zu kaufen und legal zu betreiben. Diese kleinen Stereosender dürfen maximal 50 nW abgestrahlter Leistung haben, was extrem wenig ist (0,00000005 Watt). An diese Geräte lassen sich z.B. MP3-Spieler oder PDAs anschließen, um den Ton über ein UKW-Radio (Autoradio, Stereoanlage oder Henkelmann) wiederzugeben. Hier nun meine Erfahrungen mit dem „dnt MusicFly“…

Foto 1 und 2: MusicFly von dnt soll die Musik vom MP3-Player drahtlos auf das Autoradio bringen.
Das Gerät stammt aus dem dnt-shop und kostet inkl. Nachnahmegebühr 44,45 Euro. Zum Lieferumfang gehört neben dem Stereosender mit fest montiertem 3,5 mm Klinkensteckerkabel auch ein Adapter auf 2,5 mm. Autonetzteil, Microbatterie, Schutztasche und eine ausführliche Betriebsanleitung werden ebenfalls mitgeliefert.
Der MusicFly lässt sich intuitiv bedienen. Nach Einlegen der Batterie (Typ AAA) ist er sofort betriebsbereit. Ein etwa zwei Sekunden langer Druck auf die Einschalttaste genügt, um über die Up/Downtasten die gewünschte (freie) Sendefrequenz in 100-kHz-Schritten einzustellen. Sechs Festfrequenzen lassen sich zusätzlich ablegen/speichern, was ganz sinnvoll ist. Eine Aussteuerungsanzeige erleichtert die Einstellung der korrekten Lautstärke des zu übertragenden Signals. Eine interne „AutomaticLevelControl“ scheint nicht vorhanden zu sein. Zu hohe Lautstärkepegel führen zum gnadenlosen Übersteuern, zu Signalaussetzern und Zischlauten…

Bild 3 (links): Die
Kupferlitze (blau), die um den Sender gewickelt wurde (Koppelspule) und
Foto 4: die endgültige Version auf dünnen Karton gewickelt und mit Klebeband
gesichert
Praktische Erfahrungen
Der Batteriefachdeckel erweckt keinen soliden Eindruck. Nur mit Kraftaufwand lässt
er sich abziehen und wieder aufschieben. Das fest montierte Spiralkabel zum
Anschluss der Audioquelle sieht zwar schick aus, ist aber unpraktisch wenn man
das Gerät im Raum etwas abgesetzt vom zuspielenden Gerät platzieren muss. Außerdem
wirkt das ungedehnte Kabel extrem signaldämpfend. Die
Strahlungsleistung ist mit 50 nW (?) so gering, dass sich je nach Empfänger oft
nur wenige Zentimeter drahtlos überbrücken lassen!
Ein Freund (Hallo Peter) machte ähnliche Erfahrungen und wir dachten zunächst an einen Defekt des Gerätes. Unter optimalen Bedienungen (trennscharfer und empfindlicher Portabelempfänger) lassen sich Reichweiten im Freien von 5 bis 10 Metern realisieren. Dabei muss das „Spiralkabel“ allerdings auch auf seine maximale Länge „gedehnt“ sein. Das Rundstrahlverhalten des „MusicFly“ ist hingegen sehr schlecht. Die Batteriestandzeit beträgt weit über 20 Stunden, was wohl an einer erheblichen Unterschreitung der zulässigen Strahlungsleistung liegen dürfte. Beim Anschluss das Autonetzteils verbessert sich die Reichweite etwas, was wahrscheinlich am Gegengewicht (Fahrzeugchassis) liegen dürfte.
Klangeindruck
Wie bereits erwähnt, ist die Reichweite sehr gering. Mit zunehmender
Verringerung des Signalpegels nehmen Störungen wie Rauschen erheblich zu. Dann
wird das Umschalten auf „Monobetrieb“ am UKW-Radio zwingend erforderlich.
Hohe Frequenzen (ab 5 kHz) werden so gut wie nicht mehr übertragen, und von
Dynamikumfang kann keine Rede sein. Wenn der MP3-Spieler über einen Equalizer
verfügt, sollte dieser aktiviert werden.
Der „MusicFly“ liegt klanglich über dem Niveau eines stark und störungsfrei hereinkommenden Mittelwellensenders, kann aber mit der UKW-Qualität bei weitem nicht mithalten, geschweige CD-Qualität bieten. Line-out-Signale von Geräten ohne Kopfhörerbuchse führen in der Regel zu erheblichen Übersteuerungen und eignen sich daher ohne externe Anpassung des Pegels nicht. Sollte die Lautstärke des zuspielenden Gerätes einen gewissen Pegel unterschreiten, schaltet der „MusicFly“ automatisch ab. Dies kann sinnvoll, aber auch voll nervig sein! Beim nächsten lauten Ton wacht er allerdings wieder auf…

Foto 5 (links): die
Koppelspule mit ca. 2 m Wurfantenne auf dünnen Karton gewickelt
Foto 6: MP3 Spieler mit Mini-Sender; Fotos 1-6 Klaus Fuchs
Abschließende Beurteilung
Technische Spielerei oder sinnvolle Anwendung? Wer unbedingt einen MP3-Spieler
an sein UKW-Autoradio (fehlende Line-Eingänge) ohne Umbaumaßnahmen anschließen
möchte und den bescheidenen Klang (kaum Höhen) in Kauf nehmen will, kann
durchaus zugreifen. Die geringe Reichweite stellt im PKW bei integrierter
Scheibenantenne (Front/Heckscheibe) kein größeres Problem dar. Bei klassischer
Montage der Radio-/Kombiantenne, also außerhalb des Fahrzeugs z.B. im hinteren
Dachteil oder Kofferraumdeckel, wird es problematisch.
Ferner muss sich der Käufer darüber im Klaren sein, dass er immer eine freie Empfangs-/Sendefrequenz (mindestens 200 kHz zum nächsten stärkeren Sender) benötigt. Bereits schwache UKW-Stationen übertönen den „MusicFly“, und im dichten deutschen Sendernetz noch eine freie Stelle zu finden, ist selbst hier im Hunsrück fast unmöglich. Ferner sollte man den Mini-Sender und natürlich auch den MP3-Spieler im Fahrzeug sicher befestigen können, damit diese nicht beim Bremsen zu Geschossen werden. Der „MusicFly“ hat dazu eine kleine Öse am Gehäuse, Befestigungsmaterial wird allerdings nicht mitgeliefert…
Technische Daten (Werksangaben)
Lieferumfang: MusicFly, Batterie, Schutztasche, Zigarettenanzünder-Adapter, Adapter für 2,5-mm-Stecker.
Entspricht Verfügung Nr. 7/2006, dem FTEG, dem EMVG und der EU Norm EN 301 357
Bezug: http://www.dnt.de; E-Mail: dnt@dnt.de; Telefon: 06074-37140; Art. Nr.: 15500; Artikelbezeichnung: MusicFly Mini Audio Sender; Preis: 34,95 € plus Versandkosten.
Nachtrag:
Aufgrund der schlechten Abstrahleigenschaften des „MusicFly“ hatte ich
versuchsweise eine Wurfantenne induktiv, also über eine Koppelspule
angeschlossen. Umbauten direkt im Gerät würden die Betriebserlaubnis und die
Garantie erlöschen lassen. Einige Windungen Kupferlitze mit einem rund 2 m
langen Drahtstück (Wurfantenne) direkt auf das Gehäuse des MusicFly gewickelt,
brachten zumindest einen gewissen Teilerfolg. Aus den 50 cm, die er zuvor gerade
noch rauschfrei sendete, wurden so fast 5 m (allerdings in Mono, Stereo rauschte
doch etwas zu stark), und dies durch zwei Hauswände.
Die genaue Lage der Koppelspule muss man austesten. Die Anzahl der Windungen (5
bis 10) ist dabei unkritisch. Auf den Fotos 3 bis 5 lässt sich der simple
Aufbau erkennen. Um die Koppelspule dauerhaft haltbar und verschiebbar zu
machen, sollte man diese auf dünnen Karton wickeln und mit Klebeband oder
Schrumpfschlauch sichern…
Alternativen
Ältere Autoradios mit Kassettenschacht
können durch einen Kassettenadapter aufgerüstet werden. Auch lässt sich ein
UKW-Modulator in die Antennenleitung (Montageaufwand und nur eine nutzbar
Frequenz) einschleifen.
Für
den Hausgebrauch (Stationär) können auch die billigen 2,4-GHz-Videosender
eingesetzt werden, die leicht einige zehn Meter schaffen.